Als Bodenkavalier tritt Ronny Schulz online und offline auf. Seine Kunden kennen den Bodenleger meist nur unter diesem Namen, denn dahinter steckt ein Marketingkonzept, das er jahrelang aufgebaut hat. Mittlerweile ist der Soloselbstständige von Italien bis Finnland unterwegs. Auf Instagram und Co. berichtet er von seinen Aufträgen. Nicht selten spielt bei seinen Anfragen auch sein auffälliges Firmenfahrzeug eine Rolle.

Ronny Schulz mag Aufträge, die ihm zu denken geben. Gleichzeitig liebt er Abenteuer und ist gerne unterwegs. Die Kombination dieser Eigenschaften hat dazu geführt, dass der Bodenleger oft Aufträge annimmt, die ihn herausfordern – manches Mal, weil es technisch kniffelig wird, und manches Mal, weil er innerhalb von wenigen Stunden von Nürnberg nach Hamburg jetten muss, um einen Kundenwunsch zu erfüllen.
In der Hansestadt stand eine Ladeneröffnung an. Der Laden inklusive einer Treppe, die durch den Raum geht, hatte zuvor einen Terrazzoboden bekommen. Es fehlten allerdings noch kleine Lampen, die in die Stufen eingelassen werden sollten. Ronny Schulz hatte die Idee dazu erarbeitet. Umsetzen sollte sie ein Fliesenleger. Doch das scheiterte, weil sich auf die Schnelle niemand Passendes fand. Dann kam der Anruf aus Hamburg. Ronny Schulz musste von heute auf morgen anreisen, um die Arbeiten selbst auszuführen und die Fuge für die Lichtleiste in den bereits vorhandenen Terrazzoboden einzufräsen.
Bodenkavalier: Auffällige Fahrzeugbeklebung verschafft Aufträge
"So wurde ich zum fliegenden Handwerker, denn aufgrund der kurzen Zeit, die übrig war, blieb nur das Flugzeug als Möglichkeit." Der Bodenleger, der seinen Firmensitz nahe Nürnberg hat, fuhr also nach München, setzte sich in den Flieger und hatte dann einen Tag Zeit, den Boden an der Treppe fertig zu bekommen. "Das war an einem Mittwoch und am Freitag war die Ladeneröffnung geplant", erzählt Ronny Schulz. Als er ankam, standen die Elektriker schon parat, die dann die Beleuchtung angeschlossen haben.
Geschichten wie diese kann Ronny Schulz viele erzählen. Bekannt ist er mittlerweile aber meist unter dem Namen "der Bodenkavalier", mit dem er online für sich wirbt – und auch auf seinem Firmenfahrzeug. Da er mit dem Fahrzeug ständig unterwegs ist und ihm einst eine auffällige Beklebung verpasst hat, bleiben Name, Auto und oft auch seine Kontaktdaten den Leuten im Gedächtnis. "Ich werde dann oft angerufen und die Leute sagen, dass sie mein Auto gesehen haben und auch, dass ich wohl in anderen Städten arbeite als nur in meiner Region", berichtet Schulz. Außerdem erzählt er, dass diese Menschen sich auch seine Fotos auf Instagram angeschaut hätten. So kommt oft eines zum anderen. "Die Leute sehen sich an, was ich mache. Oftmals geben sie dann genau so etwas in Auftrag, wie sie es auf Foto XY gesehen haben."

Social Media hilft, Kunden fertige Arbeiten zu zeigen
Die Weiterempfehlungen über die sozialen Medien und in der Branche selbst haben dazu geführt, dass der Bodenkavalier auch mal in den Niederlanden, in Finnland oder Italien arbeitet. Obwohl seine Leidenschaft eigentlich beim Arbeiten mit Holz liegt, also dem Parkettverlegen und Aufbereiten und Schleifen von alten Böden, wird er im Ausland vor allem für sogenannte Doppelböden angefragt. Das sind spezielle Böden für Büroräume oder Räume, in denen elektrische Schaltanlagen stehen. Kabel und Leitungen können dann unterhalb des Bodens verlaufen.
Da Doppelböden hauptsächlich auf sehr großen Flächen umgesetzt werden, ist das Verlegen dieser Untergründe meistens ein Thema der großen, industriell arbeitenden Firmen. Ronny Schulz verlegt sie aber auch in kleinen Räumen und bekommt daher als Soloselbstständiger die Aufträge von eher kleinen Firmen, die aber die gleichen Anforderungen an einen Bodenbelag haben. Der 43-Jährige arbeitet zwar regelmäßig mit einem Kollegen zusammen, der ebenfalls selbstständig ist. Sie unterstützen sich gegenseitig bei Aufträgen. Dennoch ist, wie er berichtet, nicht seine Sache, Mitarbeiter zu haben und Chef zu sein. "Die Kunden erwarten auch, dass ich selbst vor Ort bin, wenn sie den Bodenkavalier beauftragen", sagt er.
Ein Name, der im Gedächtnis bleibt
Auf den Namen kam er einst, als er mit einem befreundeten Werbedesigner seine Website überarbeitete und sich damals auch für die Art und Weise entschieden hat, mit der er nach außen auftreten möchte. Das war im Jahr 2015. Seitdem gibt es den Bodenkavalier, das bunte Firmenfahrzeug und seitdem wächst auch seine Präsenz in den sozialen Medien. "Ich sage von mir selbst, dass ich ein sehr höflicher Mensch bin. Ich ziehe die Schuhe aus, wenn ich in eine private Wohnung komme, und achte auch sonst auf Benehmen und einen passenden Umgangston", berichtet Schulz darüber, wie er einst überlegte, welcher Name zu ihm passt und welcher – als Wortspiel – Kunden auch im Gedächtnis bleibt.

Auf seinem Instagram-Kanal und auf seiner Website zeigt er nicht nur seine Projekte, sondern auch gerne sich selbst wie eine Art Marke. Social Media zu bedienen, empfindet er als wichtig und als eine sehr einfache Art, Marketing zu betreiben und Kontakte zu Kunden aufzubauen und zu halten. Dennoch stehen für ihn seine Arbeiten als Bodenleger im Vordergrund – auch wenn er gerne und ausführlich von dem erzählt, was er dabei erlebt. Abenteuerlust und Neugier treiben ihn nach eigenen Worten an. "Für mich bedeutet es, neue Erfahrungen zu sammeln und auch selbst etwas zu lernen, wenn ich Aufträge bekomme, die mich herausfordern", sagt er.
Bodenkavalier: Manchmal freie Hand und manchmal Arbeit nach strikten Vorgaben
Dann erzählt er die nächste Anekdote – diesmal von einem Auftrag aus seiner Heimat in Mittelfranken. Hier durfte er die Böden nach einer Sanierung eines Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert gestalten – komplett frei und nach seinen eigenen Ideen. "Als ich auf diese Baustelle kam, sagte der Bauherr direkt zu mir 'Wir gehen jetzt da rein und Sie sagen mir, welche Böden wir dann nehmen'. Der Preis war ihm egal und ich durfte kreativ sein", erzählt Ronny Schulz. Da die Decken in den Zimmern mit Stuck besetzt waren, passte der Bodenleger die Gestaltung an das an, was er vorgefunden hatte und auch historisch passte. Er wählte ein Fischgrätenparkett mit Fries. In den Fluren verlegte er ein rot-schwarzes Schachbrettmuster aus Linoleum. "Klassisch für diese Zeit" sei das.
Derart kreativ zu arbeiten, liegt dem Bodenkavalier genauso wie die Arbeit nach ganz exakten Vorgaben, die er dann technisch korrekt umsetzen muss. Erlebt hat er das erst kürzlich bei einer Ladeneinrichtung in Berlin. Für diese lag ein Konzept vor, das von einem Designer erarbeitet worden war, und Ronny Schulz sollte es umsetzen: ein fugenloser Boden auf einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern. Technisch herausfordernd war, dass der Boden fugenlos auch über eine Treppe führen sollte. "Ich arbeite hier mit flüssigem Material und ich hatte echt Bammel, dass das anders wird, als es sich der Designer vorgestellt hat", sagt Schulz. Am Ende waren alle zufrieden und der Bodenkavalier erleichtert.